Ghana 2018 Nalerigu

In diesem Jahr waren wir vom 08.02-18.02.2018 wieder im Baptist Medical Center in Nalerigu im Norden von Ghana.
Dieses Mal bestand unser Kölner Team aus 3 Chirurgen, 1 Gynäkologin und 1 Fotografin: 
 
  • Dr.Karl-Heinz Moser:  Unfallchirurg, Chirurg und Koloproktologe; 
  • Prof. Dr. Jörg Schröder:  Viszeral- und Gefäßchirurg; 
  • Dr. Hartwig Liedtke: Unfallchirurg und Handchirurg; 
  • Dr. Verena Ackemann: Gynäkologin und
  • Marion Koell:  Fotografin.  
 
Unterstützt wurden wir von den wunderbaren Pflegern und Anästhesisten aus Nalerigu. Dadurch konnten nicht nur Hernien, sondern auch viele andere Notfälle operiert werden. Anbei die Eindrücke der teilhabenden Ärzte.
 

Impressionen Ghana 2018

 

Was uns bewegt und beeindruckt hat:

 
Dr. med. Karl-Heinz Moser:
 
Ich war nunmehr das 4. Mal in Nalerigu und immer wieder wurde ich überrascht von ungewöhnlichen Fällen. So auch dieses Mal.
So wurde mir nachts ein junger Mann (28 J) mit rechtsseitigen Unterbauchschmerzen vorgestellt. Der Befund war nicht hoch akut und ich dachte an eine beginnende Blinddarmentzündung oder vielleicht an Typhus. Am nächsten Morgen führten wir eine Ultraschalluntersuchung durch. Dabei konnten wir eine Invagination des Darms nachweisen. Bei einer Darminvagination (Synonym: Intusseption) handelt es sich um eine Einstülpung eines Darmabschnittes in einen anderen. Infolge von Blutstauung und Ödemen kommt es zu Störungen in der Blutversorgung der betroffenen Darmwand. Dieser Teil der Darmwand stirbt dann ab und der Darm wird durchlässig für Stuhl. Auf Grund der entstehenden Sepsis führt dies dann regelhaft zum Tod.
Die Erkrankung betrifft aber hauptsächlich Säuglinge oder Kleinkinder und ganz selten Erwachsene. Ich selbst hatte dies Erkrankung trotz meiner 30-jährigen Berufserfahrung noch nie bei einem Erwachsenen operieren müssen. Um das Leben des jungen Mannes zu retten, führten wir sofort eine Dünn- und Dickdarmresektion (Ileocöcalresektion) durch.
Der junge Mann konnte 2 Tage später das Krankenhaus gesund verlassen.
 
 
Prof. Dr. Jörg Schröder:
 
Ein kleines Mädchen hat meine erste Reise nach Ghana geprägt. Nach der langen Anreise nach Nalerigu unweit der Grenze zu Burkina Faso war unsere erste Patientin ein 14monatiges altes Mädchen.
Schwer krank, kaum erweckbar, mit hochfrequenter Atmung und einem kaum zählbaren Puls lag sie im Bett, die besorgte Familie um sich herum.
Eine ausgeprägte Entzündung an der Schulter war eine Ursache, aber da war mehr. Der ghanaische Kollege hatte eine weitere Verdachtsdiagnose, einen Kollaps der rechten Lunge. Schwer vorstellbar , aber er hatte Recht. Eine seltene Diagnose bei einem Kind, diagnostiziert ohne Hilfsmittel, kein Röntgen oder CT. Wie zu Sauerbruchs Zeiten. Klopfen auf den Brustkorb und Abhören. Unglaublich.
Nach der Operation eine Stunde später mit Versorgung der Wunde und Entlastung der Lunge erholte sich das Mädchen.
Morgens war sie die erste, die wir bei unserer Visite sahen und abends nach einem langen Arbeitstag die letzte Patientin, die wir besuchten. Nach zehn Tagen hat das kleine Mädchen uns mit einem Lächeln verabschiedet. Die Familie war froh und dankbar und wir haben ein junges Leben gerettet.
 
 
Dr. med. Verena Ackemann:
 
Als Frauenärztin hat mich im Baptist Medical Center in Nalerigu das „Public Health Departement“ sehr beeindruckt:
Obwohl nur bescheidene Mittel zur Verfügung stehen, werden dort jeder Frau die Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Geburt – dann gemeinsam mit ihrem Kind -         angeboten.
Der Fortschritt der Schwangerschaft und die Gesundheit der Schwangeren wird regelmäßig durch Hebammen kontrolliert, die Frauen werden über gesunde Ernährung und gesundheitsförderndes Verhalten informiert, es werden Laboruntersuchungen durchgeführt und notwendige Nahrungsergänzungsmittel verabreicht.
Nach der Geburt wird das Gedeihen des Säuglings überwacht, alle Standardimpfungen werden durchgeführt und die junge Mutter bekommt eine Beratung über Verhütungsmittel, die sie für sehr wenig Geld dort angeboten bekommt.
Dieser Service wird durch „Health Worker“, die mit dem Moped in die umliegenden Dörfer im Umkreis von 15 km fahren, auch den Frauen angeboten, die nicht nach Nalerigu kommen können.
Solch eine Versorgung ist in einem Land mit einer hohen Schwangerschafts- und Geburtenrate eine sehr wichtige Präventionsmaßnahme.
 
 
Dr. med. Hartwig Liedtke:

Als Chirurg, Unfall- und Handchirurg wurde ich schon unmittelbar nach unserer Ankunft in Nalerigu ins kalte Wasser geworfen, sprich mit der harten, teilweise gnadenlosen Realität dieser von der großen Weltpolitik unbeachteten Region im unterentwickelten Norden Ghanas konfrontiert. Ein 11jähriger Junge war als Sozius vom Motorrad gestürzt und hatte sich dabei eine schwere Handverletzung zugezogen. Dr. Heidi Haun, die vor 4 Jahren aus ihrer Heimat USA als Chirurgin samt Familie hierher umgezogen war und hier phantastische Arbeit leistet, hatte den Zeigefinger nicht mehr retten können. Sie war dankbar für die Unterstützung durch einen Handchirurgen und rief mich zu sich in den Behandlungsraum. Trotz meiner 35jährigen Berufserfahrung war ich geschockt, mir traten Tränen in die Augen. Für unsere exzellente medizinische Versorgungssituation in Deutschland wäre diese Verletzung schon eine sehr anspruchsvolle Aufgabe gewesen. Hier bedeuteten die Zeigefingeramputation mit Teilverlust der Haut über der Mittelhand in Kombination mit der verschobenen Unterarm- und Mittelfingerfraktur eine echte Herausforderung. Ohne Röntgenkontrolle unter sehr eingeschränkten hygienischen Bedingungen wurde der Unterarmbruch mit Gips gerichtet, der Mittelfinger mit dem Ringfinger getaped und die Wunde versorgt. 4 Tage später kehrte der Junge mit seiner Mutter zurück in sein 50 km entferntes Dorf. Wir konnten seine Hand retten und damit vielleicht auch seine Zukunft.
 
 
 
 
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